Trainingsmethodik und -planung
Klassifikation der Stoßübungen von der Brust und ihre Anwendung auf verschiedenen Könnensstufen
Deutsche Zusammenfassung von Tyazhelaya Atletika. Ezhegodnik 1982 (Moskau: Fizkultura i Sport, 1982), S. 15–17: der Text ist eine Paraphrase, keine Übersetzung; Datentabellen sind vollständig mit deutschen Beschriftungen wiedergegeben.
Hintergrund
- Bei den XXII. Olympischen Spielen (104 olympische Rekorde, davon 18 Weltrekorde) wurde die Hälfte aller Versuche misslungen, und zwei Drittel der Fehlversuche entfielen auf das Stoßen von der Brust.
- Bekannte Tatsachen: der beste Hantelweg ist vertikal, und die optimale Tiefe des Untertretens beträgt etwa 10% der Körpergröße des Sportlers (A. Iwanow, 1975). Das Stoßen hat 3 Perioden und 6 Phasen. Die entscheidende Phase ist das Abbremsen: je kürzer sie ist, desto höher die Kraft auf die Plattform (r = 0.79).
- Hilfsübungen waren nie nach ihrer Wirksamkeit gereiht worden. Einzige Richtschnur war die von S. Arutjunjan (1965): 89%-Gewichte, höchstens 5 Hebungen pro Trainingseinheit.
Aufgaben und Methoden
- Aufgaben: Hilfsübungen nach ihrer Wirksamkeit ordnen, die optimale Zahl der Hebungen mit 90% pro Trainingseinheit finden und Übungen finden, die die Schnellkraft am besten mobilisieren.
- Erfassung: Bodenreaktionskraft, Hantelweg, Kniewinkel und das EMG des seitlichen Oberschenkelstreckers, gemeinsam erfasst.
- Probanden: 150 Sportler am GTsOLIFK und am Manuel-Fajardo-Institut in Havanna: Studenten, Jugendheber und die kubanische Nationalmannschaft. Über 1000 Hebungen und 7000 Kennwerte wurden ausgewertet.
- Übungen (90% des besten klassischen Stoßens): klassisches Stoßen; Stoßen aus dem Ständer; Stoßen hinter dem Kopf; Stoßen mit weitem Griff; Ausstoßen; Halbstoßen.
Vier Kennwerte erwiesen sich auf jeder Könnensstufe als aussagekräftig: die maximale Kraft auf die Plattform Fmax, die Zeit bis zu ihrem Erreichen t1, die Bremszeit t2 und die auf dem EMG beruhende Zeit der motorischen Einheiten-Mobilisierung F.A. („Frontalanalyse“), die mit Fmax korreliert.
Tabelle. Technikkennwerte und EMG-Merkmale bei Stoßübungen (Mittelwerte)
| Kennwert | Stoßen hinter dem Kopf | Stoßen von der Brust | Klassisches Stoßen | Ausstoßen | Stoßen von der Brust mit weitem Griff | Halbstoßen |
| Fmax, % | 254.35 | 239.8 | 231.5 | 227.65 | 210 | 204.05 |
| t1, s | 0.325 | 0.362 | 0.390 | 0.378 | 0.413 | 0.410 |
| t2, s | 0.97* | 0.121 | 0.137 | 0.133 | 0.173 | 0.150 |
| F.A., s | 0.129 | 0.130 | 0.131 | 0.201 | 0.144 | 0.180 |
* Gedruckt 0.97, neben 0.121–0.173 unplausibel; vermutlich 0.097.
Befunde
- Rangordnung: 1) hinter dem Kopf; 2) aus dem Ständer; 3) klassisches Stoßen; 4) Ausstoßen; 5) Stoßen mit weitem Griff; 6) Halbstoßen. Nur die beiden letzten unterschieden sich signifikant von den übrigen.
- Warum das Stoßen hinter dem Kopf am besten ist: die Schwerpunkte liegen auf einer Linie, sodass die Kraft starr auf die Hantel übertragen wird. Mit der Hantel auf der Brust verschiebt sich der Schwerpunkt nach vorn, und die Bauchmuskulatur nimmt einen Teil des Antriebs auf.
- Ausstoßen: Fmax und t1 liegen nahe am klassischen Stoßen, doch die motorischen Einheiten werden langsam mobilisiert.
- Halbstoßen mit Gummiwiderstand (eine 1 cm starke, am Boden und an der Hantel befestigte Gummischnur, 5 kg Zug an der Brust): Fmax stieg von 204% auf 284%, und t1 sank von 0.4 auf 0.33 s.
- Tiefsprünge (40 und 70 cm): die Mobilisierung dauerte 0.094–0.1 s gegenüber 0.129–0.131 s beim Stoßen, und Fmax betrug 300% oder mehr.
- Ermüdung über die Sätze (eine Hebung pro Satz): die intramuskuläre Koordination (F.A., EMG) verschlechtert sich zuerst, die äußeren Kennwerte erst später. Ein signifikanter Rückgang beginnt bei Satz 4–5 bei qualifizierten Sportlern und bei Satz 6–7 bei weniger qualifizierten. Beim Gummi-Halbstoßen sinkt Fmax ab Satz 8.
Empfehlungen
- Das Stoßen mit dem Stoßen hinter dem Kopf und dem Stoßen aus dem Ständer verfeinern.
- Die Explosivkraft mit dem Gummi-Halbstoßen und mit Tiefsprüngen entwickeln, besonders bei fortgeschrittenen Sportlern.
- Stoßen aus dem Ständer mit 90%, Einzelhebungen: höchstens 7 Sätze für Sportler der 3. Klasse, höchstens 5 für Sportler der 1. Klasse und Meister des Sports.
- Gummi-Halbstoßen mit 90%: höchstens 8 Sätze, auf jeder Könnensstufe.
- Das Ausstoßen nicht überstrapazieren. Das Halbstoßen und das Stoßen mit weitem Griff sind kraftbildende Hilfsmittel.